GRÜNE: Jungen müssen besser gefördert werden!
Monheim, 19. Oktober 2009
Konzept zur Jungenförderung
Antrag: Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zur Jungenförderung zu erstellen. Es sollen konkrete Maßnahmen für alle Bereiche der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit aufgezeigt werden. Im Vorfeld bitten wir um Beantwortung folgender Fragen zur Jungenarbeit in Monheim:
1. Gibt es geschlechtsdifferenzierte Angebote im Rahmen der offenen Jugendarbeit,
an den OGATA´s und Ganztagsschulen?
2. Wenn ja, welche Angebote gibt es?
3. Wie wird die Vernetzung der städtischen Einrichtungen und freien Träger zur
Abstimmung der geschlechtsdifferenzierten Jugendarbeit erreicht?
4. Wie sind die Zielsetzungen und Erfahrungen der jeweiligen Angebote?
5. Sind weitere geschlechtsspezifische Angebote geplant?
6. Die Kreisverwaltung wurde im Kreissozialausschuss von der CDU im Februar dieses Jahres beauftragt eine Abfrage zum Bedarf an Jungenförderung in den kreisangehörigen Städten durchzuführen. Welche Antwort hat die Monheimer Verwaltung hierzu gegeben?
Darüber hinaus wird die Verwaltung beauftragt ein Konzept zur Jungenförderung zu entwickeln und die Schulen, die Träger von Einrichtungen in der Kinder-und Jugendarbeit als auch die Träger von Kindertagesstätten mit einzubeziehen.
Zum Konzept sollten gehören:
• Einrichtung eines „Boys-Day" parallel zum „Girls-Day" an allen weiterführenden Schulen. Ähnlich wie Mädchen an diesem speziellen Tag Einblick in frauenuntypische Berufe erhalten, sollen den Jungen Berufe im sozialen und erzieherischen Bereich bekannt gemacht werden. Dies wird bisher nur an der Gesamtschule praktiziert.
• Die Schulsozialarbeit kann in der Schule, die offene Jugendarbeit im Nachmittagsbereich, mit speziellen Projekten zur Berufswahl und Lebensplanung die Jungen ansprechen und sie ermutigen ihre vielfältigen Fähigkeiten jenseits der Geschlechterrollenklischees anzunehmen und weiter zu entwickeln.
Begründung: Das Konzept „Gender Mainstreaming" fordert Chancengleichheit für beide Geschlechter in allen Lebensbereichen. Tatsache ist aber, dass sich Mädchen im Bildungsbereich besser an das vorhandene System, an Unterrichtsformen anpassen können und den Erwartungen meist leichter entsprechen. Jungen sind hingegen die „Bildungsverlierer" unserer Gesellschaft. Nur noch 46 % der Jungen besuchen bundesweit das Gymnasium, während der Anteil Hauptschüler auf 56 % und an Sonderschülern auf 64 % stieg. Jungen werden in der Öffentlichkeit häufig als defizitär und problembeladen wahrgenommen. Sie selbst sehen sich mit widersprüchlichen Rollenvorstellungen konfrontiert und sind bei der Suche nach der eigenen Identität zunehmend verunsichert. Fehlende männliche Vorbilder in der Erziehung verstärken die Verunsicherung der Jungen. Risikoverhalten, Gewalt, Bildungsmisserfolge oder Sucht können die Schattenseiten dieser Verunsicherung sein.
Zu einer tatsächlich geschlechtersensiblen Pädagogik an allen Schulen und Einrichtungen gehören individuelle Förderung und die Verankerung von Jungenarbeit. Fachkräfte der Kinder-und Jugendarbeit sowie Pädagogen brauchen Aus- und Weiterbildungen in Genderkompetenz. Durch entsprechende Projekte sollen vielfältige Entwürfe männlicher Identität jenseits von Rollenklischees gefördert und das Berufs- und Studienwahlspektrum der Jugendlichen verbreitert werden. Denn männliche Fachkräfte fehlen vor allem in den Branchen der Dienstleistungs-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe.
Auch deshalb bedarf es einer geschlechtersensiblen Jungenförderung. Dabei geht es u. a. um die frühzeitige Begleitung von Jungen bei ihrer Lebensplanung, um die Reflexion von bestehenden Rollenvorstellungen und die Stärkung ihrer sozialen Kompetenz.
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